Medienberichte

Weser-Kurier: „Kuddelmuddel um den Bremen-Pass“

Sportvereine beklagen hohen Verwaltungsaufwand beim Bearbeiten der Anträge. Senatorin Stahmann kündigt Gespräch mit dem Jobcenter an.

Olaf Schallert ist ein Mensch, der schnell auf den Punkt kommt. „Gut gedacht ist nicht immer gut gemacht“, sagt er und meint damit ein Projekt, das in der Tat eigentlich schnelle Hilfe verspricht. Es geht um den sogenannten Bremen-Pass. Er gehört zum Bundesteilhabepaket und soll im Fall von Olaf Schallert helfen, dass Kinder und Jugendliche Fußball beim 1. FC Burg spielen können, obwohl die Eltern nicht genug Geld für den Vereinsbeitrag haben. „Eigentlich eine gute Sache“, meint Schallert, der bei Burg im Vorstand sitzt. Wenn da nicht dieses „Kuddelmuddel“, so nennt es Schallert, bei den Anträgen und der Erstattung der Gelder wäre.

Denn im Normalfall laufe es in Burg mit den Anträgen wie folgt ab: Ein Kind oder ein Jugendlicher zeigt den Bremen-Pass, der bis zum 17. Lebensjahr greift, einem Trainer oder Funktionär beim 1. FC Burg, Schallerts Frau Martina macht eine Kopie, füllt den Antrag aus und gibt sie dem Kind wieder zurück, damit dessen Eltern ihn beim Jobcenter einreichen. Weil das aber oft nicht klappte oder der Verein vergeblich auf eine Antwort wartete, „geben wir die Anträge mittlerweile direkt beim Jobcenter ab“, sagt Schallert.

Unterschiedliche Auszahlung der Beiträge

Problem Nummer zwei: Die Sachbearbeiter zahlen die Beiträge laut vieler Vereine sehr unterschiedlich aus. „Mal wird monatlich bezahlt, bei einem anderen vierteljährlich, dann wieder jährlich.“ Ein ziemliches Durcheinander sei das, findet Schallert. Hinzu komme, dass der Bremen-Pass immer nur ein Jahr gültig sei, aber immer wieder Kinder kämen, bei denen der Pass nur noch vier oder zwei Monate gültig sei. Das alles zu überprüfen und wieder neu zu beantragen, sei ein Verwaltungsaufwand, den ein Verein wie Burg nicht mehr leisten könne. „Wir machen das hier ja alle ehrenamtlich“, sagt Schallert, „das ist auf Dauer nicht zu schaffen.“

Die Vorgänge haben mittlerweile auch die Bremer Politik erreicht. Die Grünen stellten bei der jüngsten Bürgerschaftssitzung eine Anfrage an den Senat. Überschrift: „Verwaltungsaufwand für Sportvereine minimieren“. Die Grünen-Fraktion wollte wissen, warum Kinder und Jugendliche sehr unterschiedliche Anspruchszeiträume bei der Nutzung des Bremen-Passes bewilligt bekämen. Die Antwort des Senats war, grob zusammengefasst, sehr technisch und bürokratisch. So gebe es etwa kürzere Bewilligungszeiträume, wenn ein Ende des Leistungsbezugs absehbar sei.

„Die Antwort besteht nicht den Realitätscheck“, sagt Björn Fecker, Fraktionschef der Grünen und Präsident des Bremer Fußball-Verbandes (BFV). In letzterer Funktion hat Fecker bei Vereinsdialogen des BFV immer wieder Beschwerden gehört, dass das Zahlungssystem beim Bremen-Pass sehr aufwendig sei. Und nicht nur das: Vereinsvertreter klagen auch darüber, dass es Eltern gebe, die die Zahlungen des Jobcenters für die Mitgliedschaft der Kinder nicht oder nur unregelmäßig an die Vereine weiterleiten. Auch das war Teil der Grünen-Anfrage an den Senat, der antwortete, dass viele Vereine in ihren Satzungen ein Lastschriftverfahren für die Fixierung der Beitragszahlungen hätten. „In diesen Fällen wird der Beitrag vom Konto der Erziehungsberechtigten eingezogen und die Erstattung des Betrages erfolgt durch das Jobcenter oder das Amt für Soziale Dienste“, heißt es. 

Für Olaf Schallert vom 1. FC Burg steht fest: So kann es nicht weitergehen! Bislang habe der Verein noch nie einen Jungen oder Mädchen wieder weggeschickt oder abgewiesen, weil es Unklarheiten mit den Beiträgen gegeben habe. „Machen wir nicht“, meint Schallert. Aber sein Verein sei auf die Beiträge des Jobcenters abgewiesen. Und der sei durch die undurchsichtige Zahlungsweise mittlerweile an einer Grenze der Belastung angekommen. Schallert drückt das so aus: „Wir können ja nicht von unseren Trainern verlangen, dass sie in den Mannschaften die Kinder und Jugendlichen immer anfragen, wie lange der Bremen-Pass noch läuft. So treiben wir die Leute doch aus dem Ehrenamt.“

„Unsere Vereine müssen von Bürokratie entlastet werden“

Fecker weiß, dass die Bremer Großvereine mit einer hauptamtlichen Geschäftsstelle die Anträge strukturiert abarbeiten können. Dort würden die Anträge auf Termin gelegt, um genau zu wissen, wann welche Bezuschussung abläuft. In kleineren Vereinen macht das der Kassenwart und ist wie in Burg mehr und mehr überfordert mit dem Arbeitsaufwand. Fecker hat von Sport-Senatorin Anja Stahmann (Grüne) immerhin die Zusage bekommen, dass sie auf das Jobcenter zugehen wolle, um Verwaltungsvereinfachungen zu erfragen. „Unsere Vereine machen sich für unser Gemeinwohl verdient, da müssen sie von Bürokratie entlastet werden“, sagt Fecker.

Das Amt für Soziales, Jugend, Integration und Sport arbeitet sogar an einer grundsätzlichen Lösung des Problems. Denn Bremen setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass der Teilhabebetrag im Rahmen einer Kindergrundsicherung künftig mit in die laufenden Leistungen für Kinder und Jugendliche einbezogen wird. Damit würde eine gesonderte Zahlung entfallen, die Eltern wären selbst verantwortlich für die Finanzierung der Freizeitaktivitäten. „Für die Anbieter von Teilhabeangeboten entfiele entsprechend das Ausfüllen der Teilhabebescheinigung“, heißt es in der Antwort zur Grünen-Anfrage. Bei Vereinen wie dem 1. FC Burg ahnt man, was das bedeuten könnte: Viele Eltern schicken ihre Kinder gar nicht mehr in den Sportverein, wenn das Geld ohne Bedingungen wie beispielsweise eine Mitgliedschaft direkt auf dem Konto landet.

Zur Sache

Das ist der Bremen-Pass

Der Bremen-Pass wurde im März 2015 eingeführt und soll Bremerinnen und Bremern ermöglichen, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen – unabhängig davon, wie dick der Geldbeutel ist. Berechtigt, einen Bremen-Pass zu bekommen, sind unter anderem Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Einen Anspruch haben außerdem alle, die beispielsweise eine Hilfe zum Lebensunterhalt und eine Grundsicherung im Alter bekommen. Der Bremen-Pass ermöglicht  ermäßigten Eintritt für Theatervorstellungen, Konzerte oder Museen Musikinstrumenten oder auch die Förderung von Mitgliedschaften in Sportvereinen, dem Erlernen von Musikinstrumenten oder der Teilnahme an Freizeiten (bis 17 Jahre).

Autor: Mathias Sonnenberg

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