Medienberichte

Weser-Kurier: „Keine Chance auf Länderspiele in Bremen“

Herr Fecker, als Bremer Vertreter beim Deutschen Fußball-Bund haben Sie bestimmt schon bessere Zeiten erlebt als in den vergangenen Wochen.

Björn Fecker: Einige DFB-Kollegen haben die Weihnachtsgrüße mit den Wünschen versehen, dass es bei Werder wieder aufwärts gehen möge. Das Thema Polizeikosten spielt natürlich auch eine Rolle, gerade jetzt, wo die Deutsche Fußball Liga entschieden hat, sich nicht an den Kosten zu beteiligen. Darüber wird in unseren Runden natürlich auch gesprochen.

Und dann werden Sie bei den Sitzungen gefragt, was denn bei Ihnen in Bremen so los ist?

Viele können schon unterscheiden zwischen dem, was wir hier als Verband machen und dem Streit zwischen der Stadt, Werder und der DFL.

Warum treten Sie da nicht als Vermittler auf? Sie decken als Politiker, der als Präsident des Bremer Fußball-Verbandes im DFB-Vorstand sitzt, ja fast alle betreffenden Bereiche ab. Sie kennen alle Beteiligten bestens.

Die Diskussion ist ziemlich festgefahren, da schaue ich schon, ob ich nicht Kommunikationskanäle öffnen kann. Aber das diskutiere ich sicher nicht auf dem Marktplatz, sondern in vertraulichen Gesprächen.

Verstehen Sie die Werder-Verantwortlichen, die an eine Klage gegen die DFL denken, um Polizeikosten nicht alleine tragen zu müssen?

Alles andere wäre doch fahrlässig. Als Geschäftsführung muss man Schaden vom Unternehmen abwenden. Und es ist unstrittig, dass Gäste-Fans einen Beitrag zur Sicherheitslage beisteuern. Deshalb ist die Klageerwägung nachvollziehbar.

Wie gesagt, eine Aufgabe für Sie als Vermittler.

Am Ende müssen sich Werder, die Stadt und die DFL einig werden. Aber was ich dazu beitragen kann, werde ich auch weiter tun.

Vor einem Jahr haben Sie sich für das Jahr 2019 ein neues Integrationskonzept des DFB gewünscht. Hat sich da überhaupt was getan?

Ja, eine Menge sogar. In mehreren Regionalkonferenzen haben wir diskutiert, was realistisch ist und was umgesetzt werden kann. Herausgekommen ist ein gutes Konzept. So werden wir beispielsweise verstärkt versuchen, Menschen mit Migrationshintergrund in die Strukturen des Fußballs zu bringen.

Klingt noch sehr theoretisch.

Bei den Frauen haben wir ein Leadership-Programm aufgelegt, das können wir uns auch für diesen Bereich vorstellen. Wichtig war, dass die Vereine sich aktiv eingebracht haben. Bringt ja nichts, wenn du solche Pläne aus dem Elfenbeinturm heraus entwickelst und feststellst, dass sie den Realitätscheck nicht bestehen. Es waren Menschen dabei, die uns offen und schonungslos gesagt haben, was sie bei Verbänden als diskriminierend empfinden und wo sie das Gefühl haben, gegen eine Mauer zu laufen.

Was war das genau?

Ein Punkt ist immer die Sportgerichtsbarkeit. Wenn du vorm Sportgericht stehst und dort sitzen Menschen, die auch ein bisschen das reale gesellschaftliche Bild spiegeln, ist das hilfreich. Es ist eine gesunde Mischung aus Alter, Herkunft und Geschlecht, diese Vielfalt auf dem Platz brauchen wir auch in unseren Gremien.

Ist es belegt, dass rassistische Vorfälle auf dem Fußballplatz zugenommen haben?

Es gibt keine belegbaren Zahlen außerhalb der uns erreichenden Berichte der Schiedsrichter. Aber wenn man sich die Polarisierung in der Gesellschaft anschaut, liegt die Vermutung zumindest nahe, dass dies nicht vor dem Fußballplatz Halt macht. Wir werden hier als Verband aber keinen Millimeter zurückweichen und konsequent gegen rassistisches Verhalten vorgehen.

Mit Fritz Keller hat der DFB einen neuen Präsidenten bekommen. Sie standen seinem Vorgänger Reinhard Grindel nicht nur geografisch nahe, weil er aus Rotenburg kommt. Haben Sie noch Kontakt?

Am Ende war es unvermeidbar, dass Reinhard Grindel sein Amt abgibt. Aber nur weil jemand aus dem Amt geschieden ist, heißt das ja nicht, dass man den Kontakt abbricht.

Wie ist der Kontakt zum Nachfolger Keller?

Bislang hat es noch keine großen Berührungspunkte gegeben. Fritz Keller muss sich erst mal einen Überblick in den Strukturen verschaffen. Ich habe schon die Erwartungshaltung, dass er die Chance ergreift, sich viel an der Basis sehen zu lassen und zu hören, wo bei den Amateuren der Schuh drückt. Er hat dafür beste Voraussetzungen. Ich finde gut, dass er eine gesellschaftspolitische Haltung vermitteln will, das ist wichtig für den Fußball. Als DFB- Präsident musst Du wissen, dass man mithilfe des Fußballs Dinge in der Gesellschaft beeinflussen kann.

Ist es die richtige Entscheidung, dass der DFB-Präsident nicht mehr in Uefa- oder Fifa-Ämtern sitzt?

Er verzichtet auf das Uefa-Exko, quasi also den Vorstand. Der Mitgliederversammlung gehört er selbstverständlich an. Das gibt ihm zumindest die entsprechende Beinfreiheit, um den DFB gegenüber der Uefa zu positionieren, weil er eben nicht im Vorstand sitzt und in Beschlüsse eingebunden ist. Auf der anderen Seite gibt es den guten, alten Spruch, dass man ein System nur von Innen verändern kann. Er hat sich jetzt für diesen Weg entschieden und braucht sicherlich keine Hinweise von der Seitenlinie.

Sie können Fritz Keller ja gleich mit auf den Weg geben, dass es in Bremen endlich wieder Länderspiele geben soll.

Da kann sich jeder sicher sein, dass ich das machen werde. Die Entscheidung, keine Länderspiele mehr in Bremen zu veranstalten, war damals falsch und ist heute noch falsch. Damit trifft man die vielen Fußball-Fans in der ganzen Region. Aber momentan sehe ich keine Chance, das zu verändern. Interessant wird es aber, wenn sich andere Bundesländer der Bremer Polizeikosten-Regelung anschließen. Dann muss man schauen, ob der DFB genauso entscheidet.

Im Jahr 2019 wurden Schiedsrichter vermehrt zur Zielscheibe von tätlichen Angriffen auf dem Fußballplatz. Hat in Bremen der Nachwuchs überhaupt noch Lust, Schiedsrichter zu werden?

Die Lehrgänge sind weiter voll, aber wir verlieren in der Anfangsphase noch zu viele Schiedsrichter. Der Umgangston, mit dem Schiedsrichtern umgehen müssen, ist oft unterirdisch. Das führt natürlich schon dazu, dass die Lust darauf nachlässt. Aber ein Streik wie in Berlin unter Schiedsrichtern war hier noch kein Thema.

Im Weserstadion wird immer wieder über die Macht der Ultras diskutiert. Wie sehen Sie das als Politiker und Fußball-Funktionär?

Ich habe da eine klare Meinung: Das Engagement findet dort eine Grenze, wo der Rechtsstaat sie setzt. Ich schätze das Engagement der Werder-Ultras mit Bekämpfung von Rassismus, Sexismus und Homophobie sehr. Sage aber auch, dass Angriffe auf Polizeibeamte wie beim Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst inakzeptabel sind und konsequent verfolgt werden müssen.

Ist es noch legal, in der Ostkurve die Loge eines Werder-Sponsors zu verhüllen?

Protest muss in einem Stadion möglich sein, das Recht auf freie Meinungsäußerung muss auch dort gelten. Aber es gibt natürlich Graubereiche und am Ende muss Werder zu einer Lösung kommen.

Sie haben 2019 ein Programm zur Förderung von Frauen im Bremer Fußball aufgelegt, das war eines ihrer Lieblingsprojekte. War das ein Erfolg?

Ich finde ja, ich werde mich jetzt im Januar mit den Teilnehmerinnen treffen, um eine Bilanz zu ziehen. Ich bin mir sicher, dass wir das wiederholen werden.

Der zweite Schritt wäre ja, Frauen tatsächlich in Führungspositionen zu bringen.

Genau. Jetzt schauen wir aber erst mal, wer Lust hat, an welchen Projekten mitzuarbeiten. Da gibt es viele Fragen, beispielsweise wie groß der Zeit- und Arbeitsaufwand ist und welche Aufgaben konkret zu erledigen sind. Aber wir müssen im Bremer Fußball-Verband vielfältiger werden, keine Frage.

Über den Bremer Fußball müssen wir auch noch mal sprechen. Wieder mal ist keine Bremer Mannschaft in die Regionalliga aufgestiegen. 

Dann wird es Zeit, dass sich das jetzt 2020 ändert. Viele im Bremer Fußball waren enttäuscht, dass es der Bremer SV wieder nicht geschafft hat und es nach Werder Bremen keine zweite Mannschaft gibt, die höher spielt. Aber auch das ist Fußball.

Welche Schlagzeile möchten Sie 2020 lesen?

Am liebsten wäre es mir, wenn der Fußball-Verband gar nicht erst in den Schlagzeilen steht.

Wie wär’s mit: Fecker vermittelt Kompromiss zwischen Werder und DFL!

Ich bin nicht so der plakative Schlagzeilen-Typ. Wir machen unsere Arbeit ruhig und sachlich weiter, dann ergeben sich die positiven Nachrichten schon von ganz alleine.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg
Der Link zum Medienbericht.

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