Medienberichte

Weser-Kurier: „Das Gehalt des DFB-Präsidenten muss transparent sein“

Björn Fecker über die Grindel-Nachfolge, hauptamtliche Präsidenten, Strukturprobleme und eigene DFB-Ambitionen

Herr Fecker, was verdient eigentlich der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes im Monat?

Björn Fecker: Es gibt keine pauschale Aufwandsentschädigung, sondern eine Spesenerstattung. Wir haben eine transparente Finanzordnung, die Spesenerstattung hängt von der Dauer der Sitzung ab. Der Regelfall ist drei Euro für eine Sitzung. Dazu kommen dann noch die Fahrtkostenpauschalen. Für Fahrten innerhalb Bremens sind das sechs Euro.

Da liegen Sie ja mächtig unter den Einkünften eines DFB-Präsidenten. Wäre es nach Reinhard Grindel nicht an der Zeit, den Posten hauptamtlich auszuschreiben? 

Die DFB-Satzung lässt das ja jetzt schon zu, es braucht keine rechtliche Neuordnung. Aber ich bin sehr dafür, die Einkünfte transparent darzustellen und auch künftig zu veröffentlichen. Ich teile die Einschätzung, dass es nicht um eine ehrenamtliche Aufgabe geht, sondern um Managementaufgaben. Dazu gehört eine hohe Verantwortung. Die soll auch vernünftig bezahlt werden.

Ist der Posten des DFB-Präsidenten ein Traum-Job? Vielleicht auch für Sie?

Ich bin hier in Bremen schon mehrfach angesprochen worden, ob der Posten nicht auch was für mich wäre. Es ehrt mich, dass es Menschen gibt, die mir das zutrauen, aber dieses Amt steht nicht auf meinem Plan. Ich finde die Weser jedenfalls wesentlich schöner als den Main. Am Ende muss das jeder für sich persönlich entscheiden, ob er sich in diese Sphären des Fußballs begeben möchte.

Was muss der kommende DFB-Boss anders machen als Grindel?

Ich würde mir wünschen, dass der kommende Präsident genau so vor Ort in den Vereinen und Verbänden präsent ist, wie es Reinhard Grindel war. Wir müssen uns jetzt mit dem Profi-Fußball überlegen, welche Rolle ein DFB-Präsident innehat. Die letzten drei Präsidenten sind alle vorzeitig gegangen. Deswegen stellt sich die Frage, ob die derzeitige Struktur mit einer Person an der Spitze noch richtig ist. Der Präsident muss den Spagat zwischen Profi- und Amateur-Fußball hinkriegen, gleichzeitig die Frauen- und Herren- Nationalmannschaft und Juniorennationalmannschaften im Auge haben, mit Millionenbeträgen im Sponsoring und Marketing arbeiten – ist diese Last nicht zu viel für eine Person?

Sie denken an eine Doppelspitze?

Nicht unbedingt, aber man muss den Bereich, in dem viel Geld verdient wird, konsequent ausgliedern mit einer Geschäftsführung, die diesen Teil professionell händelt. Und eine sportpolitische Säule haben, die sich um die strategischen Fragen des Fußballs kümmert. Wie helfen wir dem Ehrenamt? Wie gehen wir mit der desaströsen Infrastruktur um?

Braucht der DFB eher einen Bundeskanzler oder einen Bundespräsidenten als Boss?

Die Frage ist, wie weit ein Präsident ins operative Geschäft hineingeht und sich um tägliche Dinge kümmert. Wenn es eine gut funktionierende Verwaltung gibt, braucht er das nicht.

Also eher das repräsentative Modell?

Ich möchte auch keinen Grüß-August an der Spitze haben. Wir brauchen jemanden, der die Sorgen der Amateur-Basis kennt und gleichzeitig erkennt, dass wir unserem Sport Schaden zufügen, wenn wir im Profi-Fußball so weitermachen. Und der versucht, Fans und Vereine zusammenzubringen. Dafür braucht es mehr als zwei gute Reden im Jahr, denn die Erwartung der Basis an den DFB ist groß.

Wer ist denn Ihr Favorit?

Momentan ist es ja ein bisschen wie in einer Castingshow. Wir tun gut daran, jetzt erst mal die Strukturfragen zu klären und daraus ein Anforderungsprofil zu entwickeln. Und nicht jemanden zu finden, zu dem die neue Struktur gar nicht passt. Deshalb macht es Sinn, die Füße ruhig zu halten. Ich werde keine Namen nennen oder kommentieren.

Und was soll der neue Mann zuerst machen?

Oder Frau… Es gibt ja eine Menge Baustellen, bei denen wir in den Verbänden auf Hilfe des DFB angewiesen sind: der Umgang mit Rassismus, wie gehen wir mit dem aufkeimenden Antisemitismus um, wie bekämpfen wir Homophobie. Aber auch die Frage nach der Talentförderung und ob wir künftig noch wettbewerbsfähig sind, um spätestens 2024 zur EM in Deutschland wieder eine schlagkräftige Mannschaft zu haben.

Das spricht aber dafür, dass es schnell eine Dauerlösung für die Spitze gibt.

Nein, bitte keinen Schnellschuss! Wichtig ist, dass jetzt erst mal Ruhe einkehrt und an den Strukturen sachlich gearbeitet wird. Es ist ja nicht so, dass in Frankfurt in der DFB-Zentrale jetzt die Arbeit eingestellt ist. Aber die gute inhaltliche Arbeit wird regelmäßig überlagert durch personelle Diskussionen, das ärgert mich massiv. Das wird den vielen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen nicht gerecht.

 

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg
Hier der Link zum Kommentar des Weser-Kuriers.

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